1 Einleitung 1.1 An ihren Forschungsergebnissen sollt Ihr sie erkennen! 1.2 Aber: Alt bedeutet nicht unwirtschaftlich und neu nicht
innovativ 1.3 Umsatzanteile pharmazeutischer Hersteller 1.4 "Marketingstandort" Deutschland 1.6 Ungesunde Pharmariesen? Kein Fall für die GKV! 1.7 Notwendige Strategie für die Zukunft der GKV: Mehr
Qualität und Effi zienz2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten
Umsatzanteile Pharmazeutischer Hersteller
Es kann doch nicht erstaunen, dass die Mittel mit einem "Lebensalter"
von <20 Jahren auf den gröüten europäischen Märkten, nämlich in
Frankreich, Groübritannien und Deutschland, im Umsatz nahezu gleich
verteilt sind. Dies zeigt, dass die Bewertung der Mittel auf den gröüten
Arzneimittelmärkten Europas so unterschiedlich nicht ausfällt wie die
Hersteller glauben machen wollen - daher auch die marginalen Unterschiede
bei den Mitteln, die während der vergangenen 20 Jahre in die
Therapie eingeführt wurden: In Deutschland entfallen auf Mittel aus
diesem Zeitraum wie schon erwähnt - 53%, in Groübritannien 56% und
in Frankreich 57%. In Deutschland gibt es in der Tat sehr viele ältere Mittel,
die in der verordneten Therapie noch eine groüe Rolle spielen. Dies ist
aber nicht der GKV oder dem schlechten Forschungs standort Deutschland
zuzuschreiben, sondern der erkennbar geringen Innovationsrate bei den
wichtigsten Umsatzträgern deutscher Pharma fi rmen, die nach wie vor mit
Mitteln, die älter als 20 Jahre sind, erheb liche Umsatzwerte generieren
können. Hierauf werden einige Beispiele hinweisen.
Damit aber die Rangfolge deutscher Firmen im "Konzert" der wichtigsten
Pharmaunternehmen auf dem deutschen Markt eingeschätzt werden
kann, soll ein überblick über die Umsätze der einzelnen Firmen in der
Tabelle 1.1 aufgelistet werden:
Tabelle 1.1 Die Umsatzrangfolge pharmazeutischer Firmen im Jahr
2003 auf dem deutschen Arzneimittelmarkt (Quelle IMS)
| Firma |
Umsatz in Mio (+/- % zum Vorjahr) |
Land |
| Pfizer |
1.151 (-1%) |
USA |
| Ratiophram |
936 (19,6%) |
D (nur Generika) |
| Aventis |
834 (1,6) |
F |
| Hexal |
820 (27,6%) |
D (nur Generika) |
| AstraZeneca |
766 (14,5%) |
S |
| Novartis Pharma |
707 (5,5%) |
CH |
| MSD |
546 (-8,5%) |
USA |
| GlaxoSK |
545 (0,4%) |
GB |
| Kohl Pharma |
505 (-11,9%) |
D (nur Importeur) |
| Boehringer Ingelheim |
485 (6,5%) |
D |
| Hoffmann LaRoche |
457 (14,4%) |
CH |
| Sanofi Synthelabo |
430 (13,9%) |
F |
| Janssen-Cilag |
402 (17,8%) |
B / CH |
| Bayer |
372 (4,6%) |
D |
| Lilly |
356 (24,7%) |
USA |
| Stada |
332 (16,4%) |
D (vor allem Generika) |
| Bristol Meyer Squibb |
330 (1,7%) |
GB |
| Novo Nordisk |
323 (5,9%) |
DK |
| Roche Diagn. Hestia |
248 (12,2%) |
CH |
| Altana |
242 (7,0%) |
D |
Hinweis: Diese Rangfolge hat sich in der Zwischenzeit durch die Fusion von Sanofi
und Aventis verändert. Pfi zer ist damit auf Platz 2 "gerutscht".
Unter den führenden 20 Firmen aus dem zumeist forschenden Bereich
mit Ausnahme der Generika-Hersteller und eines Importeurs sind mit
Boehringer Ingelheim an Platz 10, Bayer an Platz 14 und Altana an Platz
20 noch drei deutsche forschende Unternehmen zu fi nden. Der Output
bei den Innovationen ist allerdings gering (siehe Tabellen weiter unten).
An 21. Stelle folgt Berlin Chemie / Menarini (238 Mio. Euro Umsatz),
an 23. Stelle Schering (225 Mio. Euro Umsatz), an 31. Stelle Schwarz
Pharma (159 Mio. Euro Umsatz), danach kommen Mundipharma (34.
Platz), Je napharm (36.), Grünenthal (38.), Merck (39.), Klosterfrau (44.) und Schwabe (49.). Vom Gesamtumsatz von 20,7 Mrd. € im Jahr 2004
entfallen auf die führenden
Tabelle 1.2 Hersteller-Umsatzanteile im Jahr 2004
| 5 Hersteller |
25,07% |
| 10 Hersteller |
39,37% |
| 15 Hersteller |
49,72% |
| 20 Hersteller |
56,76% |
| 25 Hersteller |
62,18% |
| 30 Hersteller |
66,15% |
| 35 Hersteller |
69,50% |
| 40 Hersteller |
72,45% |
| 45 Hersteller |
75,07% |
| 50 Hersteller |
77,33% |
| 100 Hersteller |
89,98% |
Allein diese Zahlen belegen die hohe Um satzkonzentration auf dem
deutschen Markt, in dem aber nur ganz wenige deutsche Hersteller
einen relevanten Platz einnehmen. Fusio nen und Globalisierung haben
die Zu sammensetzung der vom Umsatz her wichtigsten Firmen in den
vergangenen Jahren deutlich verändert.
Die Standortfrage für die Forschung der deutschen Pharmaindustrie und
der "lohnende" Absatz von neuen Arzneimitteln beziehen sich daher nur
auf wenige Firmen. Im weiteren wird daher analysiert, welche innovativen
Wirkstoffe denn in den angeblich noch guten Zeiten vor 1997
zum "Umsatzwohl" der Firmen beigetragen haben und ob nicht schon
vorher in den 80er Jahren Defi zite in der Forschungspolitik und
Versäum nisse im Management zur Stabilisierung der Zukunft auf dem
Markt zu dem heute von vielen Herstellern beklagten Zustand geführt
haben, dass sich durch ein forschungsfeindliches Umfeld, vor allem
durch die innovationsfeindliche Regulation der GKV, die Aussichten
für eine prosperierende pharmazeutische Industrie seit einigen Jahren
verschlechtert haben.
Auffällig ist übrigens trotz aller Klagen, dass im Jahre 2003 gegenüber
dem Vorjahr zum gröüten Teil zweistellige Steigerungsraten im Gewinn
der Firmen erreicht werden konnten. Von Umsatzeinbuüen und schlechten
Marktbedingungen kann daher in Deutschland nicht die Rede sein. Es
kommt wie in allen Märkten auf den Nutzen der Produkte an, der
therapeutische Wert ist auch im Arzneimittelmarkt auf Dauer eines der
bestimmenden Kriterien für die Verordnung eines Mittels und damit für
einen gesicherten Umsatz. Zwar kann eine Zeit lang ge schicktes Marketing
und Werbung den Umsatz erhöhen, langfristig werden jedoch nur solche
Mittel und Wirkstoffe ihren Marktanteil be halten oder steigern können, bei
denen ein additiver Nutzen gegenüber bislang verfügbaren Alternativen
evident ist. Ansonsten werden Regula tionen, die auf Vergleichen des
nachgewiesenen therapeutischen Nutzens aufgebaut sind (siehe z.B.
Festbeträge oder die Nutzenbewer tung im Rahmen der 4. Hürde) die
Wertigkeit eines zwar neuen, aber wenig oder gar nicht fortschrittlichen
Mittels gleichsetzen mit bereits angebotenen und meist kostengünstigeren
Arzneimitteln, die u. U. bereits als Generika verfügbar sind.