1 Einleitung 1.1 An ihren Forschungsergebnissen sollt Ihr sie erkennen! 1.2 Aber: Alt bedeutet nicht unwirtschaftlich und neu nicht
innovativ 1.3 Umsatzanteile pharmazeutischer Hersteller 1.4 "Marketingstandort" Deutschland 1.6 Ungesunde Pharmariesen? Kein Fall für die GKV! 1.7 Notwendige Strategie für die Zukunft der GKV: Mehr
Qualität und Effi zienz2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten
"Marketingstandort" Deutschland
Allerdings treffen Marketingstrategien der Hersteller zur Absatz- und
Verordnungsförderung derzeit kaum auf eine wirksame "Gegenöffentlichkeit".
Die rund 25 Millionen Besuche von Pharmareferenten
pro Jahr (pro Tag werden gute Verordner von rund 7 Referenten
besucht!) und die auf das einzelne Produkt bezogenen Informationen,
die typischerweise immer zugunsten des eigenen Arzneimittels ausfallen,
tragen eher zur Verwirrung und nicht zur Klärung im Sinne einer
vergleichenden Bewertung der insgesamt angebotenen Alternativen
bei. Diese Strategien haben aber den Begleiteffekt, dass tatsächlich der
Marketingdruck ein neues Arzneimittel zum Absatzerfolg "hochwerben"
kann, auch wenn es keinen erkennbaren therapeutischen Fortschritt
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aufweist. Alleine die Firmen Pfi zer, MSD und AstraZeneca bringen es pro
Jahr auf rund 4 Millionen Arztbesuche bei einem angenom menen Wert
von rund 80 Euro pro Besuch liegen die Ausgaben für diese Arztkontakte
bei etwa 320 Mio. Euro, in der gesamten Branche mit 25 Mio. Besuchen
übrigens bei 2 Mrd. Euro.
Und wenn dann noch in der für Manager in letzter Zeit üblichen, ungeniert
vorgetragenen Offenheit der Vorstandsvorsitzende der Firma
Novartis, Daniel Vasella, in einem Spiegelinterview im Jahre 2003 sagt:
"Die Marketingausgaben sind im Schnitt fast doppelt so hoch wie die
Forschungsausgaben. Es genügt nicht, etwas Gutes zu entdecken. Sie
müssen es auch noch verkaufen, sonst verdienen Sie nichts", dann
wird die Strategie überdeutlich: Auch Arzneimittel, die keineswegs einen
therapeuti schen Fortschritt mit sich bringen, werden zu "Blockbustern"
hochgeworben. Die notwendige unabhängige Information, als Basis für
ver gleichende Bewertungen vor jeder Verordnung, muss dabei ins Hintertreffen
geraten. Es kann daher nicht erstaunen, dass die Marke tingausgaben
in Deutschland in den letzten Jahren erheblich angestie gen sind:
die Aufwände für Pharmareferenten wuchsen seit 1997 um 28%. Hinzu
kommen Ausgaben für Werbung, "Marketingstudien" oder "Fortbildungsveranstaltungen";
die Gesamtaus gaben alleine für diese Maünahmen
dürften bei 3 4 Mrd. Euro liegen. Die Forschungs ausgaben und -ergebnisse
gerieten derweil ins Hintertreffen, wie inter nationale Vergleiche
bei wirklichen Innovationen zeigen: In Deutschland wurden hierfür im
Jahre 2002 3,9 Mrd. Euro ausgegeben, in Groü britannien 5,2 Mrd. Euro
es kann daher nicht erstaunen, dass die durchschnittliche Anzahl von
Innovationen in Groübritannien bei 33 Wirkstoffen in den vergangenen
Jahren lag, in Deutschland zwischen 25 und 28.
Erfolge von Arzneimitteln werden oftmals herbeigeworben, auch wenn
der therapeutische Nutzen oder der Preis keineswegs überzeugen.
Die folgenden Zahlen zeigen exemplarisch den Herstellerumsatz der
Pro dukte im Jahre 2003 mit Veränderungsraten zum Vorjahr und die
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pro duktbezogenen Werbeausgaben im Jahre 2003, ebenfalls mit den
Veränderungen zum Jahr 2002.
Alle aufgeführten Mittel sind zumindest in ihren Hauptindikationen Analogprodukte
ohne Vorteil gegenüber bereits im Markt angebotenen
Arzneimitteln ("me-toos" oder Scheininnovationen), die z. T. durch kostengünstige
Generika (G) substituierbar wären.
Tabelle 1.3 Umsätze und Werbeausgaben für Arzneimittel ohne
therapeutischen Zusatznutzen (Quelle: GPI 2003)
| Produkt |
Umsatz (+/-%) |
Werbung (+/-%) |
| NexiumMups (G) (AstraZeneca) |
135 Mio. € (44,8%) |
20 Mio. € (14%) |
| Beloc ZOK (G) (AstraZeneca) |
103 Mio. € (16,7%) |
10 Mio. € (21%) |
| 412 Mio. € (4,2%) |
27 Mio. € (9%) |
| Norvasc (G ab 2004) (Pfi zer) |
148 Mio. € (21,5%) |
15 Mio. € (-8%)* |
* (Da für Norvasc das Patent auslief und im Jahre 2004 Generika auf den Markt kamen,
hat der Hersteller Pfi zer das Werbebudget offensichtlich verringert.)
Beispiele einiger deutscher Pharmafi rmen im Spiegel ihrer Arzneimittel
3 aus der Gruppe der umsatzstärksten 20 und zwei weitere
aus den TOP 50
Wenn Klage darüber geführt wird, dass die üblicherweise in Deutschland
angewendeten Arzneimittel zu einem gröüerem Anteil als in anderen
Ländern veraltet seien, dann ist dies weniger dem deutschen System
der gesetzlichen Krankenversicherung zuzuordnen als vielmehr dem
Angebot auf dem Arzneimittelmarkt. Dieses hat offensichtlich längst
nicht den therapeutisch innovativen Charakter, wie es die Verbände der
phar mazeutischen Hersteller immer wieder glauben machen wollen.
Betrachten wir einige bundesdeutsche Firmen mit dem Alter ihrer für
den Umsatz wichtigsten Arzneimittel (Präparate geordnet nach Umsatzbedeutung
für den jeweiligen Hersteller):
Tabelle 1.4 Boehringer Ingelheim (2003 ca. 485 Mio. Euro Umsatz,
gegenüber dem Vorjahr + 2,4%) Präparate mit den
höchsten Umsatzanteilen
| BI-Präparat |
Anwendungsbereich |
Umsatzanteil |
Einführungsjahr |
| Spiriva |
COPD |
12,7% |
2002 |
| Alna |
Bluthochdruck, Prostatahyperplasie |
9,2% |
1996 |
| Berodual |
Asthma |
9,0% |
1980 |
| Sifrol |
Parkinsonmittel |
7,7% |
1998 |
| Thomapyrin |
Kopfschmerzen |
6,5% |
1971 |
| Dulcolax |
Abführmittel |
4,8% |
1952 |
| Micardis |
Herz-/Kreislaufmittel, AT-II-Antagonist |
4,2% |
1999 |
| Micardis plus |
Kombination AT-IIAntagonist/Diuretika |
3,1% |
2002 |
| Mucosolvan |
Expektorans |
4,0% |
1979 |
| Denan |
Cholesterinsenker |
3,2% |
1990 |
| Aggrenox |
Thrombozytenaggregationshemmer |
1,0% |
2002 |
Insgesamt wurden nach den IMS-Daten 39 Mittel der Firma Boehringer
nach dem Jahr 1985 in den Markt gebracht, 30 in den Jahren zwischen
1965 und 1985 sowie 11 noch vor 1965. Der gröüte Anteil des Angebotes
der Firma Boehringer Ingelheim ist also älter als 20 Jahre keine
überzeugende innovative Produktpalette und daran sollte die GKV mit
ihren Regulationen Schuld haben? Und noch immer werden mit solchen
Arzneimitteln erhebliche Umsätze gemacht. Bei den neuen Mitteln bietet
Boehringer-Ingelheim kaum überzeugende Innovationen, am ehesten ist
noch das Parkinsonmittel Sifrol dazuzurechnen. Aggrenox ist eine Kombination
aus Acetylsalicylsäure und Dipyridamol ohne überzeugenden
Zusatznutzen gegenüber Acetylsalicylsäure allein und ein Nachfolgeprodukt
des Asasantin, das bereits 1977 in den Markt kam und die
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beiden genannten Wirkstoffe enthielt, allerdings in einer anderen Dosierung.
Sollte Boehringer Ingelheim das neue Aggrenox nun als neu und
innovativ bezeichnen wollen? Das wäre allerdings ein gründliches Missverständnis.
Der AT-II-Antagonist Micardis (Telmisartan) incl. der Kombination
mit einem Thiazid ist ein Analogprodukt, ebenfalls ohne eigenständigen
Zusatznutzen. Dennoch erreichen die beiden Micardis-Produkte
einen Umsatzanteil von 7,3% und damit knapp 36 Mio. Euro. Dass aber
(zumindest in Maüen) innovative Arzneimittel ihren Markt und Umsatz
fi nden, zeigt das Produkt Spiriva (Tiotropium), das im Jahre 2002 eingeführt
wurde und bereits knapp 13% des Umsatzes von Boeh ringer Ingelheim
ausmacht (knapp 60 Mio. Euro) Innovationen lohnen sich eben auch
und besonders im Bereich der GKV. Hätten also Firmen wie Boehringer
oder andere mehr in die Forschung investiert und wirk liche Innovationen
vermarktet, hätte sich auch ein Vermarktungserfolg eingestellt, ohne
extreme Summen in die Werbung "stecken" zum müssen.
Tabelle 1.5
Bayer (2003 ca. 372 Mio. Euro Umsatz, gegenüber
dem Vorjahr + 1,9%) Präparate mit den höchsten
Umsatzanteilen
| Bayer-Präparat |
Anwendungsbereich |
Umsatzanteil |
Einführungsjahr |
| Avalox |
Antibiotikum |
6,4% |
1999 |
| Levitra |
Erektile Dysfunktion |
3,9% |
2003 |
| Lefax |
Magenmittel |
3,3% |
1962 |
| Talcid |
Magenmittel |
3,6% |
1977 |
| Polyglobin |
Immunglobulin |
3,1% |
1987 |
| Baymycard |
Herz-Kreislaufmittel |
3,0% |
1990 |
| Glucobay |
Diabetesmittel |
2,8% |
1990 |
| Ciprobay |
Antibiotikum |
2,3% |
1987 |
| Aspirin |
Schmerzmittel |
10,4% |
1900 |
| Aspirin plus C |
Schmerzmittel |
10,9% |
1971 |
| Aspirin complex |
Grippemittel |
2,9% |
2003 |
Ein groüer Umsatzanteil entfällt bei Bayer auf Blutzuckermessstreifen
(ca. 24%), dies sind Produkte, bei denen ein Innovationswert nur selten
erkennbar ist, die aber die GKV mit erheblichen Kosten belasten.
Das Arzneimittelspektrum ist seit dem durch Bayer selbst mitverschuldeten
Lipobay-Desaster (ein durch Referenten und Werbung mit übertriebenen
Aussagen und angeblichen Dosierungs- und Verträglichkeitsvorteilen
in den Markt "gedrückter" Cholesterinsenker) eher bescheiden,
wenn der Innovationswert betrachtet wird. Aspirin, so wirbt Bayer, "ist die
Medizin Deines Lebens" es ist vielmehr die Medizin für das über leben
von Bayer. Kaum eine Marke eines Arzneimittels wurde derart diversifi ziert
angeboten und in immer wieder neue Zubereitungsformen gezwungen
wie Aspirin: Als Tablette und Brausetablette (pharmakolo gisch geeignet),
als Brausepulver und Kautabletten (pharmakologisch ungeeignet), in
unterschiedlichen Dosierungen, als Mittel zur Vermei dung eines erneuten
Herzinfarktes oder Schlaganfalls (pharmakologisch geeignet) und in einer
Mischung mit einem anderen Stoff als Grippemit tel als neuestes Produkt
(pharmakologisch abwegig). überfl üssig ist auch Glucobay ein Mittel
bei Typ-2-Diabetes, das wahrscheinlich nicht mehr nutzt als es auch Müsli
täte, beides kann die Resorption von Kohlenhydraten verzögern! Ein wenig
hält sich Bayer durch das Potenzmittel Levitra aufrecht der Rückgriff
auf Lifestyle-Arzneimittel als Rettungs anker für eine völlig "ausgebrannte"
Produktpalette, zusätzlich auch durch alte Selbstmedikationsmittel
wie Talcid und Lefax: Keine wirkliche Innovation in den letzten 15
Jahren! Mangelnde Zukunftssicherung und Managementfehler bei der
Krisenbewältigung im Zusammenhang mit Lipobay haben Bayer an den
Rand der Existenzsicherheit gebracht, nicht die GKV.
Tabelle 1.6
Altana (2003 ca. 242 Mio. Euro Umsatz, gegenüber
dem Vorjahr + 1,2%) Präparate mit den höchsten
Umsatzanteilen
| Altana-Präparat |
Anwendungsbereich |
Umsatzanteil |
Einführungsjahr |
| Pantozol |
Protonenpumpen-Hemmer |
64,8% |
1994 |
| Querto |
Herz-Kreislauf |
10,7% |
1993 |
| Zacpac |
Magenmittel zur Eradikation |
5,7% |
2000 |
| Ebrantil |
Herz-Kreislauf |
4,5% |
1977 |
| Urion |
Prostatamittel |
3,3% |
1995 |
| Euphylong |
Asthma |
3,0% |
1903 |
| Bikalm |
Schlafmittel |
1,3% |
1991 |
| Aequamen |
Mittel gegen Schwindel |
1,2% |
1977 |
Mehr als 2/3 des Umsatzes entfallen bei Altana auf einen einzigen Wirkstoff,
nämlich den Protonenpumpenhemmer Pantoprazol in Pantozol
und Zacpac, dort allerdings in Kombination mit einem Antibiotikum und
einem weiteren Stoff zur Eradikation des Bakteriums Helicobacter pylori,
das als Verursacher für Magen-Darm-Geschwüre gilt. Jede Regulation
bei dem Wirkstoff Pantoprazol (z.B. Festbetragsregelungen) oder
gegenüber Mitteln mit diesem Wirkstoff wird die Firma in ärgste Probleme
bringen. Es kann also gar nicht erstaunen, dass sie gegen den
Festbetrag für Pantozol klagt. Nur: "Monokultur" in einem Angebot ist
immer auf Forschungsdefi zite und Managementfehler zurückzuführen,
da nicht frühzeitig für mehr Diversifi zierung mit sinnvollen Nachfolgeprodukten
gesorgt wurde. Keines der Mittel ist als eigenständige Innovation
zu betrachten, alle Mittel sind Analogprodukte ohne Zusatznutzen gegenüber
anderen, bereits als Generika im Markt verfügbaren Präparaten.
Altana ist daher höchst gefährdet, auf Grund mangelnder Vorsorge und
Zukunftsplanung im Management der Firma "abzustürzen".
Tabelle 1.7
Schering (2003 ca. 225 Mio. Euro Umsatz, gegenüber
dem Vorjahr + 1,1%) Präparate mit den höchsten
Umsatzanteilen
| Schering-Präparat |
Anwendungsbereich |
Umsatzanteil |
Einführungsjahr |
| Betaferon |
Multiple Sklerose |
45,4% |
1996 |
| Yasmin |
Verhütung |
7,1% |
2000 |
| Diane |
Akne / Verhütung |
6,4% |
1978 |
| Miranova |
Verhütung |
4,8% |
1996 |
| Monostep |
Verhütung |
4,4% |
1993 |
| Mirena |
Verhütung |
3,5% |
1997 |
| Ilomedin |
Prostaglandin bei Durchblutungsstörungen, auch Pulmonale Hypert onie |
3,6% |
1993 |
| Psorcutan |
Psoriasis |
2,5% |
1992 |
Der Schering-Umsatz "lebt" erkennbar von Betaferon, das in der GKV
keinen Verordnungsbeschränkungen wie in Groübritannien unterliegt,
und Hormonpräparaten, vor allem zur Schwangerschaftsverhütung, die
nur für Frauen bis zum 20. Lebensjahr im Rahmen der GKV verordnet
werden dürfen. Schering hat es bislang nicht geschafft, in anderen
Indi kationsbereichen Forschungsaktivitäten aufzubauen, so dass z.B.
bei einer verstärkten Risikodiskussion über Hormone die Stabilität des
Unternehmens rasch gefährdet ist, dies wäre keine Schuld der GKV
oder schlechter Forschungsbedingungen, sondern Beharren des Unternehmensmanagements
auf einer "Kultur" weniger Indikationsgruppen.
Betaferon ist der wichtigste Umsatzträger, eine Innovation zur Behandlung
der Multiplen Sklerose, die auch im Rahmen der GKV ohne
Beschränkung und ohne jede Regulation des Preises verordnungsfähig
ist. Dies zeigen auch die Ergebnisse von Bilanzpressekonferenzen der
vergangenen Jahre, die immer zweistellige Ergebnisse zwischen 10
und 20% als Gewinn ausgewiesen haben. Die Innovationsergebnisse
der vergangenen 10 Jahre sind enttäuschend Betaferon ist das letzte
Produkt, das, abgesehen von einigen neuen "Pillenprodukten", die aber keineswegs therapeutischen Fortschritt anbieten, in diesem Zusammenhang
genannt werden kann.
Tabelle 1.8
Merck (Darmstadt) (2003 ca. 129 Mio. Euro Umsatz,
gegenüber dem Vorjahr + 0,6%) Präparate mit den
höchsten Umsatzanteilen
| Merck-Präparat |
Anwendungsbereich |
Umsatzanteil |
Einführungsjahr |
| Concor |
Herz-Kreislauf |
17,7% |
1986 |
| Concor plus |
Herz-Kreislauf Kom bination |
5,7% |
1994 |
| Euthyrox |
Schilddrüse |
10,4% |
1973 |
| Glucophage |
Diabetes |
9,9% |
1973 |
| Dusodril |
Durchblutung |
6,6% |
1968 |
| Solu-Decortin-H |
Kortison-Therapie |
5,4% |
1957 |
| Jodthyrox |
Schilddrüse |
4,9% |
1985 |
| Jodid |
Jodtherapie |
4,0% |
1975 |
| Decortin |
Kortison-Therapie |
3,6% |
1955 |
| Digimerck |
Herzinsuffi zienz |
3,6% |
1949 |
| Morphin |
Schmerztherapie |
3,5% |
1915 |
Merck ist ein Pharmaunternehmen mit einer auffällig veralteten Produktpalette
und keiner wirklichen Innovation in den vergangenen Jahrzehnten,
allenfalls Partizipation an Analogproduktgruppen (Concor kommt aus
der Gruppe der Beta-Rezeptorenblocker). Hierfür können nur schwere
Managementfehler verantwortlich gemacht werden Forschung für eine
Absi cherung der Unternehmenszukunft wird bei Merck offensichtlich
kaum bis gar nicht wichtig genommen. Dies mag der Grund dafür sein,
dass Merck sein Heil in einer Generika-Firma, nämlich Merck-Dura,
sucht. Dieses Unter nehmen hat im Jahre 2003 rund 70 Mio. Umsatz
erzielen können zu wenig, um im Markt der groüen Generika-Player
wie ratiopharm, Hexal oder Stada (siehe Tabelle 1.1) eine wichtige Rolle
spielen zu können.
Insgesamt stellt Merck ein m. E. aus Management-Sicht sträfl ich vernachlässigtes
Unternehmen dar, das es in Zukunft wegen der defi zitären
Unternehmensstrategie auüerordentlich schwer haben wird, zu
bestehen.
Insgesamt zeigen diese wenigen Beispiele bekannter deutscher und im
Zusammenhang mit forschenden Firmen genannten Unternehmen, dass
es nicht die Rahmenbedingungen sind, die zum Niedergang der deutschen
pharmazeutischen Industrie geführt haben, sondern die mangelhafte
Umsetzung der Strategie, durch innovative Forschungsergebnisse
in Zukunft in einem immer mehr von Fusionen und Globalisierung
gekennzeichneten Markt zu bestehen. Dass aber auch Gröüe kein Garant
für Stabilität ist, zeigt der Fall des umsatzstärksten Unter nehmens in
Deutschland, der Firma Pfi zer, wenn die Diskussionen der vergangenen
Monate berücksichtigt werden. Ein Blick auf dieses Unter nehmen soll
daher an den Schluss gestellt werden.