1 Einleitung2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen 2.1 Methodik 2.2 Die Ergebnisse in der übersicht 2.3 Arzneimittelgruppen mit den höchsten Veränderungsraten 2.4 Ausgaben nach Kassenärztlichen Vereinigungen für alle
und für umstrittene Arzneimittel 2.5 Generika-Verordnungen 2.6 Analogpräparate 2.7 Deutliche Veränderungen bei den nicht-rezeptpfichtigen Mitteln 2.8 Hinweise zu den am meisten verordneten Arzneimitteln 2.9 Geschlechtsspezifi sche Unterschiede in der
Arzneimittelversorgung
Katrin Janhsen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten
Die Ergebnisse In Der übersicht
In der Tabelle sind die Kennzahlen für das Jahr 2004 im Vergleich zum
Jahr 2003 zusammengefasst.
Danach hat die GEK im Vergleich zum Jahre 2003 im Jahre 2004 etwa
7% Versicherte mehr betreut, 40.000 mehr Männer und 50.000 mehr
Frauen als im Vorjahr. Das Durchschnittsalter stieg leicht um 0,5 Jahre
an, das Durchschnittalter liegt dennoch niedriger als bei anderen groüen
gesetzlichen Krankenkassen oder bei der gesetzlichen Krankenkasse
(GKV) insgesamt hier liegt der Durchschnitt bei rund 40 Jahren.
Die verordneten Packungsmengen sind im Jahr 2004 drastisch
gesunken, um rund 22%, die Verordnungsmenge pro 100 Versicherte
bei den Männern sank von 690 auf 521, bei den Frauen von 850 auf
601. Im Durchschnitt ist dies eine Verringerung von 27% (s. Tab. 2.1).
Verantwortlich hierfür war sicherlich vor allem die Herausnahme der
nicht verschreibungs pfl ichtigen Mittel aus der Verordnungsfähigkeit im
Rahmen der GKV, aber auch der Trend, wegen der erhöhten Zuzahlungen
nun gröüere Packungen zu verordnen (siehe Abbildung 2.2). Die Arzneimittelausgaben
insgesamt sanken allerdings in deutlich geringerem
Umfang als die Verordnungen: Rund 5,2% weniger betrug die Belastung
der GEK insgesamt im Jahre 2004 gegenüber dem Jahr 2003 auch
dies ist ein Hinweis darauf, dass der durchschnittliche Packungspreis im
Vergleich zum Jahre 2003 angestiegen ist: Es wurden gröüere Packun gen
verordnet und vermehrt teure Analogprodukte, die aus therapeu tischer
Sicht keineswegs erforderlich sind. Die Arzneimittelausgaben pro 100
Versicherte verringerten sich im Jahre 2004 um 11% gegenüber dem Jahr
2003 von 23.600 Euro auf 21.000 Euro hier sind die gleichen Gründe
anzuführen: Höhere Zuzahlungen, veränderte überforderungs klauseln
und weniger Verordnungen.
Tabelle 2.1
Kennzahlen der Jahre 2003 und 2004 für die GEKVersicherten
|
2003 |
2004 |
in % |
| Anzahl Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
1.413.366 |
1.520.096 |
+7,14 |
| Männer |
781.203 |
826.438 |
+5,46 |
| Frauen |
632.163 |
693.658 |
+9,21 |
| Anzahl Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
1.380.402 |
1.470.020 |
+6,49 |
| Männer |
769.192 |
806.481 |
+4,85 |
| Frauen |
611.210 |
663.539 |
+8,56 |
| Durchschnittsalter: |
|
|
|
| Gesamt |
36,06 Jahre |
36,51 Jahre |
|
| Männer |
37,12 Jahre |
37,52 Jahre |
|
| Frauen |
34,73 Jahre |
35,28 Jahre |
|
| Verordnete Packungen: |
|
|
|
| Gesamt |
10.500.222 |
8.193.496 |
-21,97 |
| Männer |
5.304.546 |
4.202.686 |
-20,77 |
| Frauen |
5.195.676 |
3.990.810 |
-23,19 |
| Verordnete Packungen pro 100 Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
742 |
539 |
-27,16 |
| Männer |
679 |
509 |
-24,82 |
| Frauen |
821 |
575 |
-29,71 |
| Verordnete Packungen pro 100 Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
761 |
557 |
-26,81 |
| Männer |
690 |
521 |
-24,49 |
| Frauen |
850 |
601 |
-29,29 |
Die Abbildung 2.2 zeigt die Verteilung der verordneten Packungsgröüen
in der Arzneimitteltherapie. Es zeigt sich, dass der Anteil der Groüpackungen
N3 im Vergleich der Jahre 2003 und 2004 angestiegen ist.
Dies ist auch nicht weiter verwunderlich: Ab dem Jahre 2004 gilt nämlich
eine neue Zuzahlungsregel, die 10% vom Arzneimittelpreis verlangt.
Minimal 5 Euro, maximal 10 Euro. Bis zum Ende des Jahres 2003 galt
dagegen eine Zuzahlung, die an der Packungsgröüe orientiert war 4
Euro bei einer N1-Packung, 4,50 Euro bei einer N2 und 5 Euro bei einer
N3-Packung.
|
2003 |
2004 |
in % |
| Arzneimittelausgaben: |
|
|
|
| Gesamt |
326.466.547,00 € |
309.349.421,31 € |
-5,24 |
| Männer |
185.809.358,27 € |
173.017.472,10 € |
-6,88 |
| Frauen |
140.657.188,73 € |
136.331.949,21 € |
-3,08x1 |
| Arzneimittelausgaben pro 100 Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
23.098,51 € |
20.350,65 € |
-11,56 |
| Männer |
23.785,03 € |
20.935,32 € |
-11,71 |
| Frauen |
22.250,15 € |
19.654,06 € |
-11,25 |
| Arzneimittelausgaben pro 100 Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
23.650,11 € |
21.043,89 € |
-11,02 |
| Männer |
24.156,43 € |
21.453,38 € |
-11,19 |
| Frauen |
23.012,91 € |
20.546,18 € |
-10,72 |
| Verordnete DDD: |
|
|
|
| Gesamt |
428.261.334,17 |
376.550.849,20 |
-12,07 |
| Männer |
226.980.723,62 |
202.859.857,54 |
-10,63 |
| Frauen |
201.280.610,56 |
173.690.991,66 |
-13,71 |
| Verordnete DDD pro 100 Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
30.300,81 |
24.771,52 |
-15,46 |
| Männer |
29.055,28 |
24.546,29 |
-15,52 |
| Frauen |
31.839,99 |
25.039,86 |
-21,36 |
| Verordnete DDD pro 100 Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
31.024,39 |
25.615,36 |
-17,43 |
| Männer |
29.508,98 |
25.153,71 |
-14,76 |
| Frauen |
32.931,50 |
26.176,46 |
-20,51 |
Die Kalkulation der Patientinnen und Patienten ist daher durchaus
nachvollziehbar: Je teurer die Packung ist, desto geringer ist der Betrag
der prozentualen Zuzahlung. Ein Beispiel: Wenn eine Packung mit 50
Tabletten im Verkaufspreis bei 80 Euro liegt, beträgt die Zuzahlung 8
Euro, für 100 Tabletten in einer Packungsgröüe von jeweils 50 Tabletten
werden daher 16 Euro fällig, also exakt 10%. Bekommt man aber eine
100er Packung verordnet, die z.B. 150 Euro kostet, beträgt die Zuzahlung
"nur" 10 Euro, weil dies der maximale Betrag ist, den Patientinnen und
44 Patienten pro verordnetem Mittel zuzahlen müssen. Umgerecht beträgt
die Zuzahlung dann nicht mehr 10%, sondern nur noch 7,5%. Die
Veränderungen der Packungsgröüen im Vergleich der Jahre 2003 zu 2004
zeigen diesen Einfl uss der neuen Zuzahlungsregeln die Verordnung von
Groüpackungen sind deutlich angestiegen, sicherlich auch auf Wunsch
der Patienten.
Abbildung 2.2
Verteilung der verordneten Packungsgröüen
Die Auswertung von pseudonymisierten personenbezogenen Verordnungsdaten
ermöglicht auch eine Zuordnung der Verordnungsausgaben
zu den relativen Anteilen in der gesamten Patientenpopulation. Dabei
kommen immer die überraschenden Asymmetrien zu Tage, dass nämlich
auf nur sehr wenige Patientinnen und Patienten z.T. bereits hohe
Ausgabenanteile entfallen. Die Tabelle 2.2 zeigt, dass z.B. 20% aller
Ausgaben in der GEK auf nur 0,5% der Patienten entfallen, die Arzneimittel
bekommen (0,37% der Versicherten), auf nur 5,4% der Patienten
mit Arzneimittelverordnungen (oder 3,8% der Versicherten) entfallen
bereits 50% aller Arzneimittelausgaben und auf 21,7% der Patienten
45 mit Arzneimittelverordnungen (bzw. 15,2% aller Versicherten) entfallen
schlieülich 80% aller Arzneimittelausgaben. Das zeigt aber auch, dass
viel Raum für das Engagement einer Kasse existiert, wenn sie wirklich
durch Qualitäts- und Kostenmanagement die Arzneimittelversorgung
optimieren will: Es sind zum Teil nur wenige Patienten, die im Rahmen
von steuernden Maünahmen berücksichtigt werden müssen.
Tabelle 2.2
Prozentuale Verteilung der Kosten für versicherte Fälle mit
Arzneimitteltherapie im Jahre 2004
| Anteil an den
Arzneimittelausgaben |
Anteil Fälle
mit Arzneiverordnungen |
Anteil Fälle |
| (Gesamt: 309.349.421,31€) |
(n=1.068.518) |
(n=1.520.096) |
| 10 % |
0,14% (n=1.447) |
0,10% |
| 20 % |
0,52% (n=5.558) |
0,37% |
| 30 % |
1,46% (n=15.640) |
1,03% |
| 40 % |
3,05% (n=32.569) |
2,14% |
| 50 % |
5,40% (n=57.720) |
3,80% |
| 60 % |
8,79% (n=93.918) |
6,18% |
| 70 % |
13,76% (n=147.027) |
9,67% |
| 80 % |
21,68% (n=231.696) |
15,24% |
| 90 % |
37,17% (n=397.133) |
26,13% |
| 100 % |
100,00% (n=1.068.518) |
70,29% |
Diese Asymmetrien sind auch deshalb bei allen Interventionen im
Arzneimittelmarkt wichtig, so auch bei den Entscheidungen zur Selbstbeteiligung,
weil erkennbar nur ein kleiner Teil von versicherten Frauen
und Männern besonders hoch belastet wird, sicherlich in Folge schwerer
oder chronisch behandlungsbedürftiger Krankheiten, die oft mals
nebeneinander behandlungsbedürftig sind. Diese Zuzahlungen werden
daher auch asymmetrisch von denen verlangt, die besonders häufi g
Arzneimittel verordnet bekommen diese Patienten werden daher bis
zur überforderungsgrenze doppelt belastet: Mit ihrer Krankheit und mit
zusätzlichen fi nanziellen Belastungen.
Diese Verteilungen weisen auch auf einen weiteren Aspekt hin: Viele
46
der Versicherten, die Arzneimittel verordnet bekommen, leiden an
chro nischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen
(Hypertonie, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffi zienz),
rheumatischen Beschwerden oder psychiatrischen Erkrankungen. Für
viele dieser Krankheiten ist ein Disease Management Programm sinnvoll,
um die Behandlungsqualität zu verbessern und diagnostische
Begleitleistungen so durchzuführen, dass eine Verschlechterung des
Krankheitszustandes möglichst frühzeitig erkannt und abgewendet
werden kann. Von den genannten "Krankheitsbildern" wären bereits 70
80% aller Patientinnen und Patienten in Dauertherapie betroffen eine
leitlinienorientierte medizinische Versorgung käme daher diesem absolut
gesehen überschaubaren Anteil von Versicherten, die aber den Haupt anteil
der Kosten, u.a. leider auch durch die vielfach beschriebene über- und
Fehlversorgung verursacht, zu Gute, daneben könnte Unterversorgung
ausgeglichen werden.