1 Einleitung2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen 2.1 Methodik 2.2 Die Ergebnisse in der übersicht 2.3 Arzneimittelgruppen mit den höchsten Veränderungsraten 2.4 Ausgaben nach Kassenärztlichen Vereinigungen für alle
und für umstrittene Arzneimittel 2.5 Generika-Verordnungen 2.6 Analogpräparate 2.7 Deutliche Veränderungen bei den nicht-rezeptpfichtigen Mitteln 2.8 Hinweise zu den am meisten verordneten Arzneimitteln 2.9 Geschlechtsspezifi sche Unterschiede in der
Arzneimittelversorgung
Katrin Janhsen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten
Arzneimittelgruppen Mit Den Höchsten Veränderungsraten
Die folgenden Tabellen geben Auskunft darüber, bei welchen Arzneimittelgruppen
sich die Verordnungsmengen und die Ausgaben am
stärksten im Vergleich der Jahre 2003 und 2004 verändert haben. Dabei
gibt es sowohl "Gewinner"- wie "Verlierer" -Gruppen, wobei insbe sondere
in den Arzneimittelgruppen Verordnungsrückgänge erkennbar sind, die
auch nicht-rezeptpfl ichtige Mittel enthalten- Solche Präparate sind nämlich
ab dem 1. Januar 2004 durch das Gesund heitsmodernisierungsgesetz
(GMG) von der Verordnungs fähigkeit im Rahmen der Gesetzlichen
Krankenver sicherung ausgeschlossen worden, es sei denn, sie werden
für Kinder bis zum 12. Lebensjahr verschrieben. Auüerdem gibt es eine
Ausnah meliste für die nicht-rezeptpfl ichtigen Mittel, die in bestimmten
Indikatio nen als Standard-Mittel gelten. Diese dürfen dann wiederum auch
für Erwachsene verordnet werden (z.B. Acetylsalicylsäure als Thrombo47
zytenaggregationshemmer nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zur
Vorbeugung eines erneuten Gefäüverschlusses). Diese "kleine Positivliste",
die alle Ausnahmen enthält, wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss
erstellt und ist auf dessen Homepage einsehbar (http://www.
g-ba.de).
Die Tabelle 2.3 zeigt die Arzneimittelgruppen mit den höchsten Ausgabensteigerungen,
zusammengestellt auf der Ebene der anatomischtherapeutisch-
chemischen Codierung (ATC-Code). Innerhalb dieser
Gruppen können auch Verluste in "Untergruppen" vorkommen den noch
ist der Kostenanstieg in der gesamten Hauptgruppe mitverantwort lich für
die Belastung der GEK bei den Gesamtausgaben im Jahre 2004.
Bei den umsatzstarken Arzneimitteln stiegen im Jahre 2004 die Aus gaben
für Rheumamittel am deutlichsten an (M01), immerhin um 52,3% auf nun
10,1 Mio. Euro, obwohl sich die Menge um nur 6,2% erhöht hat. Dies zeigt,
wie relativ teuer in diesem Bereich verordnet wurde. Das liegt vor allem
an den steigenden Verordnungszahlen für die Gruppe der Coxibe, die
mit erheblichen Marketingdruck und sehr breiten Indikati onsversprechen
vermarktet wurden. Das Jahr 2004 hat aber auch ge zeigt, dass diese
neuen Mittel keineswegs problemlos angewendet werden konnten
die Rücknahme des Marktführers Vioxx (Wirkstoff Rofecoxib) ging
auf unerwünschte Herz-Kreislaufprobleme zurück, die sogar zu einer
Erhöhung der Anzahl von zum Teil tödlichen Herzinfark ten geführt haben.
Zu Beginn des Jahres 2005 wurde ein weiteres Prä parat aus dieser
Gruppe vom Markt genommen, das Präparat Bextra. Bei diesem Produkt
waren besonders schwer wiegende Hautreaktionen beobachtet worden,
die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Sulfona mid-Struktur des Mittels
zurückzuführen sind.
|
2003 |
2004 |
in % |
| Arzneimittelausgaben: |
|
|
|
| Gesamt |
326.466.547,00 € |
309.349.421,31 € |
-5,24 |
| Männer |
185.809.358,27 € |
173.017.472,10 € |
-6,88 |
| Frauen |
140.657.188,73 € |
136.331.949,21 € |
-3,08x1 |
| Arzneimittelausgaben pro 100 Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
23.098,51 € |
20.350,65 € |
-11,56 |
| Männer |
23.785,03 € |
20.935,32 € |
-11,71 |
| Frauen |
22.250,15 € |
19.654,06 € |
-11,25 |
| Arzneimittelausgaben pro 100 Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
23.650,11 € |
21.043,89 € |
-11,02 |
| Männer |
24.156,43 € |
21.453,38 € |
-11,19 |
| Frauen |
23.012,91 € |
20.546,18 € |
-10,72 |
| Verordnete DDD: |
|
|
|
| Gesamt |
428.261.334,17 |
376.550.849,20 |
-12,07 |
| Männer |
226.980.723,62 |
202.859.857,54 |
-10,63 |
| Frauen |
201.280.610,56 |
173.690.991,66 |
-13,71 |
| Verordnete DDD pro 100 Fälle: |
|
|
|
| Gesamt |
30.300,81 |
24.771,52 |
-15,46 |
| Männer |
29.055,28 |
24.546,29 |
-15,52 |
| Frauen |
31.839,99 |
25.039,86 |
-21,36 |
| Verordnete DDD pro 100 Personen: |
|
|
|
| Gesamt |
31.024,39 |
25.615,36 |
-17,43 |
| Männer |
29.508,98 |
25.153,71 |
-14,76 |
| Frauen |
32.931,50 |
26.176,46 |
-20,51 |
Die Kalkulation der Patientinnen und Patienten ist daher durchaus
nachvollziehbar: Je teurer die Packung ist, desto geringer ist der Betrag
der prozentualen Zuzahlung. Ein Beispiel: Wenn eine Packung mit 50
Tabletten im Verkaufspreis bei 80 Euro liegt, beträgt die Zuzahlung 8
Euro, für 100 Tabletten in einer Packungsgröüe von jeweils 50 Tabletten
werden daher 16 Euro fällig, also exakt 10%. Bekommt man aber eine
100er Packung verordnet, die z.B. 150 Euro kostet, beträgt die Zuzahlung
"nur" 10 Euro, weil dies der maximale Betrag ist, den Patientinnen und
44 Patienten pro verordnetem Mittel zuzahlen müssen. Umgerecht beträgt
die Zuzahlung dann nicht mehr 10%, sondern nur noch 7,5%. Die
Veränderungen der Packungsgröüen im Vergleich der Jahre 2003 zu 2004
zeigen diesen Einfl uss der neuen Zuzahlungsregeln die Verordnung von
Groüpackungen sind deutlich angestiegen, sicherlich auch auf Wunsch
der Patienten.
Abbildung 2.2
Verteilung der verordneten Packungsgröüen
Die Auswertung von pseudonymisierten personenbezogenen Verordnungsdaten
ermöglicht auch eine Zuordnung der Verordnungsausgaben
zu den relativen Anteilen in der gesamten Patientenpopulation. Dabei
kommen immer die überraschenden Asymmetrien zu Tage, dass nämlich
auf nur sehr wenige Patientinnen und Patienten z.T. bereits hohe
Ausgabenanteile entfallen. Die Tabelle 2.2 zeigt, dass z.B. 20% aller
Ausgaben in der GEK auf nur 0,5% der Patienten entfallen, die Arzneimittel
bekommen (0,37% der Versicherten), auf nur 5,4% der Patienten
mit Arzneimittelverordnungen (oder 3,8% der Versicherten) entfallen
bereits 50% aller Arzneimittelausgaben und auf 21,7% der Patienten
45 mit Arzneimittelverordnungen (bzw. 15,2% aller Versicherten) entfallen
schlieülich 80% aller Arzneimittelausgaben. Das zeigt aber auch, dass
viel Raum für das Engagement einer Kasse existiert, wenn sie wirklich
durch Qualitäts- und Kostenmanagement die Arzneimittelversorgung
optimieren will: Es sind zum Teil nur wenige Patienten, die im Rahmen
von steuernden Maünahmen berücksichtigt werden müssen.
Tabelle 2.2
Prozentuale Verteilung der Kosten für versicherte Fälle mit
Arzneimitteltherapie im Jahre 2004
| Anteil an den
Arzneimittelausgaben |
Anteil Fälle
mit Arzneiverordnungen |
Anteil Fälle |
| (Gesamt: 309.349.421,31€) |
(n=1.068.518) |
(n=1.520.096) |
| 10 % |
0,14% (n=1.447) |
0,10% |
| 20 % |
0,52% (n=5.558) |
0,37% |
| 30 % |
1,46% (n=15.640) |
1,03% |
| 40 % |
3,05% (n=32.569) |
2,14% |
| 50 % |
5,40% (n=57.720) |
3,80% |
| 60 % |
8,79% (n=93.918) |
6,18% |
| 70 % |
13,76% (n=147.027) |
9,67% |
| 80 % |
21,68% (n=231.696) |
15,24% |
| 90 % |
37,17% (n=397.133) |
26,13% |
| 100 % |
100,00% (n=1.068.518) |
70,29% |
Diese Asymmetrien sind auch deshalb bei allen Interventionen im
Arzneimittelmarkt wichtig, so auch bei den Entscheidungen zur Selbstbeteiligung,
weil erkennbar nur ein kleiner Teil von versicherten Frauen
und Männern besonders hoch belastet wird, sicherlich in Folge schwerer
oder chronisch behandlungsbedürftiger Krankheiten, die oft mals
nebeneinander behandlungsbedürftig sind. Diese Zuzahlungen werden
daher auch asymmetrisch von denen verlangt, die besonders häufi g
Arzneimittel verordnet bekommen diese Patienten werden daher bis
zur überforderungsgrenze doppelt belastet: Mit ihrer Krankheit und mit
zusätzlichen fi nanziellen Belastungen.
Diese Verteilungen weisen auch auf einen weiteren Aspekt hin: Viele
46
der Versicherten, die Arzneimittel verordnet bekommen, leiden an
chro nischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen
(Hypertonie, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffi zienz),
rheumatischen Beschwerden oder psychiatrischen Erkrankungen. Für
viele dieser Krankheiten ist ein Disease Management Programm sinnvoll,
um die Behandlungsqualität zu verbessern und diagnostische
Begleitleistungen so durchzuführen, dass eine Verschlechterung des
Krankheitszustandes möglichst frühzeitig erkannt und abgewendet
werden kann. Von den genannten "Krankheitsbildern" wären bereits 70
80% aller Patientinnen und Patienten in Dauertherapie betroffen eine
leitlinienorientierte medizinische Versorgung käme daher diesem absolut
gesehen überschaubaren Anteil von Versicherten, die aber den Haupt anteil
der Kosten, u.a. leider auch durch die vielfach beschriebene über- und
Fehlversorgung verursacht, zu Gute, daneben könnte Unterversorgung
ausgeglichen werden.
Der Rheumamittelmarkt ist daher ein gutes Beispiel dafür, dass es sinn voll
ist, bei neuen Arzneimitteln erst langsam umfangreiche Erfahrungen zu
sammeln, bevor solche sog. Innovationen breit und vielleicht auch etwas
leichtfertig allzu vielen Patientinnen und Patienten verordnet werden.
Der Nutzen eines Mittels ergibt sich erst im Laufe der Anwen dung, mit
der Zulassung liegen solche patientenorientierten Daten noch nicht in
ausreichendem Maüe vor.
Für die GEK bedeutet dies unter ökonomischen Aspekten, dass ein
Groüteil der durch die Coxibe zustande gekommenen Ausgaben nicht
notwendig war, weil die Effekte dieser Therapie auch durch kostengünstige
Alternativen zu erreichen gewesen wären. Bei den nicht-steroidalen
Rheumamitteln betrug die Steigerungsrate 59,1%. Mindestens zwei Mio.
Euro hätten eingespart werden können, wenn die Coxibe nur für bestimmte
Patientinnen und Patienten verordnet worden wären, die tatsächlich
mögliche Vorteile von diesen neuen Produkten haben ins gesamt ist
die beobachtete Steigerung der Ausgaben für diese Prä parategruppe
allerdings nicht gerechtfertigt.
Eine Publikation von Topol (2004) hat gezeigt, dass bei einem bestimmten
Anteil der Dauer patienten das Risiko eines Herzinfarkts ansteigen
kann. Unmittelbar nach der anschlieüenden Marktrücknahme wurde
in Deutschland darüber spekuliert, dass hier etwa 2.700 Patienten mit
Schlaganfällen, Thrombosen und Herzinfakte durch die Anwendung des
Rofecoxibs verursacht wurden, von denen sicherlich eine unbekannte
Anzahl zum Tode geführt haben könnte. Für die Hoch rechnung wurden die
gesamten verordneten Tagesdosierungen als Basis für die Berechnung
herangezogen, um daraus den Anteil der potenziell gefährdeten
Patientinnen und Patienten zu berechnen. Dass dies ein falscher
Berechnungsweg ist, wird spätestens dann klar, wenn an Hand der für
die GEK verfügbaren personenbezogenen Daten analy siert werden kann,
dass nur ein kleiner Teil der Patientinnen und Patienten das Coxib in so
hoher Dosierung über einen so langen Zeit raum verordnet bekommen
50
hat, dass die in der Publikation vermutete Gefährdung überhaupt auftreten
konnte die Versorgung mit Arznei mitteln ist eben im Hinblick auf die
Dauer und Dosierung so asymme trisch, dass nie von hochaggregierten
Daten auf eine Normalverteilung zurückgeschlossen werden kann.
Die vorstehenden Auswertungen auf der Basis der personenbezogenen
GEK-Daten (s. Tab. 2.4) zeigen, dass bei der GEK nach einer
Durchschnittverteilung aller verord neten Tagesdosierungen (DDDs)
2.499 Patientinnen und Patienten während eines Jahres mit einer
Tagesdosierung pro Tag hätten behan delt werden können. Daraus
könnte gemutmaüt werden, dass nach der Publikation von E. J. Topol
(2004) etwa 40 zusätzliche Fälle von Herz infarkten oder Schlaganfällen
hätten auftreten können, nämlich 16 pro 1000. Die Graphik mit den realen
Mengen- und Dosierungsverteilungen (s. Abb. 2.3) zeigt aber die in der
Medizin typische Asymmetrie der Leistungsverteilung: Auffällig viele
Patientinnen und Patienten erhielten nämlich im Laufe eines Jahres nur
eine sehr geringe Menge des Coxibs, so dass nur etwa 459 Patientinnen
und Patienten mit einer Dosierungsmenge gefunden werden konnten,
52 die 1 DDD und mehr entsprachen und damit der Basis in der Studie von
Topol. Pro 1000 Patientinnen und Patienten ist danach mit zusätzlich 16
Ereignissen zu rechnen, in diesem Fall können demnach theoretisch 7
zusätzliche Ereignisse bei GEK-Versicherten vermutet werden, dies
entspricht 17,5%, des Wertes der aufgrund einer Risikoberechnung
hochaggregierter Verbrauchsdaten ohne Personenbezug geschätzt
wurde. überträgt man diese überle gungen auf die weiter oben geschätzten
2.700 Patienten für die gesamte Bundesrepublik Deutschland, so bleibt
letztlich also eine Anzahl von 473 Patientinnen und Patienten übrig, die
möglicherweise durch eine dauerhafte Anwen dung des Rheumamittels
geschädigt sein könnten. Diese überlegungen zeigen, wie wichtig Arzneimittelverbrauchsdaten
sind, die auch perso nenbezogene Analysen
erlauben. Hochaggregierte Daten wie sie z. B. im Arzneiverordnungs-
Report angeboten werden, taugen nicht für valide Risikoabschätzungen.
Die zweite Gruppe mit hohen Steigerungsraten bei einem ohnehin schon
hohen Ausgabenniveau sind die Antibiotika zur systemischen Anwendung
(Gruppe J01). Insgesamt wurden für diese Gruppe 16,1 Mio.
Euro ausgegeben, eine Steigerung um 25%. Auch hier stieg die Verordnungsmenge
in deutlich geringerem Umfang an, nämlich um nur 2,1%.
Teure neue Antibiotika tragen hier zu den Kostensteigerungen bei, ob
diese neuen Antibiotika immer notwendig waren, soll dahingestellt bleiben.
Auch bei den Schmerzmitteln (Gruppe N02) gibt es erhebliche Veränderungen,
der Umsatz stieg um knapp 12% auf 13,8 Mio. Euro, die Menge
ging aber zurück (-10,8%). Dies zeigt, dass besonders teure Schmerzmittel
verordnet wurden. Zum Teil gehen diese Ausgabensteigerungen
auf die Mehrverordnungen von Fentanyl-haltigen Pfl astern (Durogesic,
Indikationsgruppe 02) zurück. Schon im GEK-Arzneimittel-Report 2003
(Ronge, 2003) hatten wir darauf hingewiesen, dass die Verordnung eines
solchen Pfl asters insbesondere bei einer Dauerschmerztherapie nach
einer Einstellung auf eine bestimmte Substanzmenge oder bei Patientinnen
53
und Patienten mit Schluckbeschwerden Vorteile haben kann, dass aber
einem groüen Anteil die Pfl asterpräparate auch bereits zu Beginn einer
Therapie gegeben wird und es dann bei einer Verordnung bleibt, weil sich
offensichtlich viele Patientinnen und Patienten mit dieser Therapie nicht
ausreichend behandelt fühlen oder mit dieser Therapie "nicht gut zurecht
kommen". Daher gilt auch in diesem Bereich: Die Mittel selber können
zwar sinnvoll und nützlich sein, sie bekommen aber erst durch die richtige
Anwendung Vorteile für die Patientinnen und Patienten. Auch hier sind
daher die Kosten sorgfältig zu beachten: Immerhin gehört die Verordnung
von Durogesic zu den teuersten The rapieoptionen.
Insgesamt zeigen diese Aufstellungen, dass bei den Steigerungsraten
der hier genannten Arzneimittelgruppen ein Ungleichgewicht zwischen
den Ausgaben- und den Verordnungsmengensteigerungen besteht:
Ausgabensteigerungen von 25% bei den Antibiotika (J01) korrespondieren
nicht unbedingt mit einer Mengensteigerung von gerade einmal
2,1%, bei den Rheumamitteln (Gruppe M01A) waren es 59% versus 6%,
bei den Gichtmitteln (M04) stiegen die Ausgaben um 67%, die Verordnungsmengen
sanken sogar um 3,3%. Noch drastischer ist das Verhältnis
bei den Augenmitteln (Gruppe S01): Hier stiegen die Ausgaben um 18,1%,
die Verordnungsmengen sanken dagegen um 40,4%. Dies alles sind
Beispiele für deutlich teurer werdende Verordnungen zurück zuführen
auf die sog. Strukturkomponente, die besagt, dass zumeist unnötig teure
Arzneimittel statt bewährter und kostengünstiger Alterna tiven verordnet
werden. Bei den hier angeführten Arzneimittelgruppen kommt es im
Rahmen dieser Strukturkomponente zu Ausgaben steigerungen von rund
14 Mio. Euro, ein Einsparpotenzial von 6 8 Mio. Euro ist in diesen
Indikationsgebieten ohne Verlust an therapeutischer Qualität erreichbar.
Dies gilt auch zum Teil auch für Arzneimittelgruppen, bei denen die
Ausgaben gesunken sind (Tabelle 2.5). Zwar ist hier bei vielen Gruppen
erkennbar, dass bei sinkenden Ausgaben die Verordnungsmengen
ansteigen oder deutlich weniger als die Ausgaben sinken ein Zeichen
dafür, dass mehr Wirtschaftlichkeit in die Versorgung Einzug hielt: Höhere
Verord nungsmengen zu günstigeren Preisen als im Jahr zuvor. Typisches
Beispiel: Die Gruppe der Lipid-senkenden Mittel (C01). Hier wurden
18,6% weniger ausgegeben als noch 2003, die Verordnungsmenge
stieg aber um 19,4% an die durchschnittlichen Tagesdosierungskosten
haben sich also deutlich verringert. Ähnlich die Verhältnisse bei den
Arzneimitteln mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System wie ACEHemmer,
die zur Behandlung des Bluthochdrucks oder der Herzinsuffi -
zienz angewendet werden (C09): Hier sanken die Ausgaben um 11,2%,
die Verordnungsmengen stiegen dagegen um 8,9% an auch ein Zeichen
dafür, dass die durchschnittlichen Tagesdosierungskosten im
Jahre 2004 gegenüber dem Jahre 2003 sanken. Es gibt aber auch andere
Beispiele: So sanken die Ausgaben für Urologika (G04) um 26,8%,
die Verordnungsmenge jedoch deutlicher um 35,4%. Hier wurden im
Vergleich zu der prozentualen Verringerung der Ausgaben weniger
Arzneimitteldosierungen verordnet die Kosten pro Dosierung stiegen
also an. In den meisten Fällen ist aber festzuhalten, dass mit den gesunkenen
Ausgaben auch die Verordnungsmengen gesunken sind.
Dies gilt auch insbesondere für Arzneimittelgruppen, die unter die GMGRegelung
fallen, dass nicht-verschreibungspfl ichtige Arzneimittel nur noch
unter bestimmten Bedingungen verordnet werden dürfen: So san ken die
Ausgaben und Verordnungsmengen von Mineralstoff-Präparaten (A12)
oder von Schnupfenmitteln (R01) besonders auffällig um 60 resp. 35%.
Diese Veränderungen werden noch gesondert dargestellt.
Insgesamt zeigt dieses Kapitel, dass noch erhebliche Rationalisierungsreserven
im Bereich der Arzneimittelversorgung bestehen: Allein im
Bereich der Arzneimittelgruppen, die besonders auffällig zu den Steige56
rungsraten bei der GEK im Jahre 2004 beitrugen, können 6 8 Mio. Euro
eingespart werden, wenn nicht unnötig teure Analogprodukte ver wendet
werden, sondern wirtschaftliche Angebote des Arzneimittel marktes zur
Anwendung kommen. Das Wirtschaftlichkeitsgebot sollte daher noch
mehr als bisher berücksichtigt werden, damit es zu einer kosteneffektiven
Arzneimittelversorgung kommt.