arzneimittelreport logo

Arzneimittel-Report 2005

1 Einleitung

2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen

  2.1 Methodik
  2.2 Die Ergebnisse in der übersicht
  2.3 Arzneimittelgruppen mit den höchsten Veränderungsraten
  2.4 Ausgaben nach Kassenärztlichen Vereinigungen – für alle und für umstrittene Arzneimittel
  2.5 Generika-Verordnungen
  2.6 Analogpräparate
  2.7 Deutliche Veränderungen bei den nicht-rezeptpfichtigen Mitteln
  2.8 Hinweise zu den am meisten verordneten Arzneimitteln
  2.9 Geschlechtsspezifi sche Unterschiede in der Arzneimittelversorgung
Katrin Janhsen


3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten

Hinweise Zu Den Am Meisten Verordneten Arzneimitteln

In den Tab. 37 und 38 im Anhang sind Aufstellungen über die 200 meist verordneten und umsatzstärksten Arzneimittel zu fi nden, die für Patientinnen und Patienten der GEK verordnet wurden.

Dort werden auch Hinweise darauf gegeben, welchen Rang diese Arzneimittel im Jahre 2004 im Vergleich zum Jahr 2003 einnehmen. Bei den Aufstellungen nach Ausgaben ist, wie schon im Jahre zuvor, der Cholesterinsenker Sortis das führende Produkt. Diesen Rang wird das Mittel verlieren, weil es seit Beginn des Jahres 2005 nur noch selten im Rahmen der GEK verordnet wird, nachdem die Herstellerfi rma Pfi zer den festgesetzten Festbetrag nicht akzeptiert hat und weiterhin den ursprünglichen Preis verlangt. Dies hat aber dazu geführt, dass im Rahmen der GEK nur noch rund 10% der üblichen Verordnungsmenge gesehen wird – dieses Mittel wird aus diesem Grund sowohl im Bereich der umsatzstärksten als auch der meist verordneten Mittel einen vorderen Platz verlieren.

Die umsatzstarken Mittel Rebif und Betaferon werden typischerweise bei multipler Sklerose eingesetzt – sicherlich eine sinnvolle, wenn auch teure Therapieoption für etwa 20% der Patientinnen und Patienten. Vom Umsatzrang absolut nicht nachzuvollziehen ist der vierte Platz des Protonenpumpenhemmers Nexium Mups (Verordnungsrang 8), ein Analogprodukt, dessen Nutzen keineswegs besser belegt ist als der des Wirkstoffs Omeprazol, das längst als kostengünstiges Generikum verfügbar ist. Das erste Generikum mit diesem Wirkstoff rangiert erst auf Platz 25, bei der Verordnungsmenge erst auf Platz 34. Das Einsparpotenzial mit Generika ist zwar nicht besonders hoch, aber immerhin 82 vorhanden. Insofern gibt es keinen pharmakotherapeutischen Grund, Nexium Mups zu verordnen und schon gar nicht, wie im Jahr 2004 geschehen, die Verordnungsmengen zu steigern, so dass Nexium Mups vom 19. Platz im Jahre 2003 auf den 8. Platz im Jahre 2004 kletterte.

Aus der gleichen Arzneimittelgruppe stammt der Wirkstoff Pantoprazol im Arzneimittel Pantozol, das nach Umsatz an der 5. Position (im Vorjahr an 4. Stelle) und nach Verordnungen an der 14. Stelle (Vor jahr 27. Stelle) steht. Bei diesem Mittel sind die Effi zienzgewinne beachtlich, wenn es durch Omeprazol-Generika substituiert wird, rund 400.000 Euro könnten alleine bei diesem einen Produkt eingespart werden – immerhin ca. 15%. Alleine unter den 50 umsatzstärksten Aus gaben stehen mit den Präparaten Sortis, Nexium Mups, Pantozol, Beloc, Valoron N und Norvasc sechs Arzneimittel, die allesamt durch kosten günstigere Generika ausgetauscht werden könnten – ein Qualitätsverlust wäre dabei nicht zu erwarten. Die GEK hat für diese sechs Arzneimittel rund 15 Mio. Euro im Jahre 2004 ausgeben müssen – rund 20% hätten durch intelligente Substitution eingespart werden können. Eine Forderung, die sich an die Ärztinnen und Ärzte richtet, ist daher, möglichst dort, wo kostengünstige Generika angeboten werden, auch diese Alternativen zu nutzen, damit dort, wo neue und teure Innovationen notwendig sind, auch fi nanzieller Spielraum für diese Arzneimittel wie Interferone bei MS oder Hepatitis C, Krebs oder HIV / AIDS bleibt. Mindestens sechs Analogpräparate unter den umsatzstärksten 50 Produkten zu fi nden, zeugt nicht unbedingt von hoher pharmakotherapeutischer Kompetenz und ausreichender Resistenz gegenüber einer massiv auf tretenden Industriepropaganda. Herstellerunabhängige Fortbildung tut offensichtlich Not, weil nur so die möglichen Effi zienzreserven "gehoben" werden können.

Bei der Aufl istung der Arzneimittel mit den höchsten Tagesdosierungen steht übrigens Elmex Gelee an erster Stelle. Dieses Mittel steht bei den Verordnungen auf Platz 57, in der Liste der umsatzstärksten 200 Mittel wird es überhaupt nicht geführt. Nur die Festsetzung eines niedrigen DDD83 Wertes hat dazu geführt, dass das Mittel in der DDD-Liste mit weitem Vorsprung an der ersten Stelle steht. Es ist also keine Auffälligkeit, der man nachgehen müsste.

Die Einsparpotenziale auf einen Blick:

Drei Bereiche sind es, die dringend für Einsparpotenziale genutzt werden müssen:

Bei der GEK kommen in allen drei Bereichen noch immer erhebliche Einsparsummen zustande (Berechnungen, Schätzungen und Hochrechnungen):

Verzicht auf umstrittene Mittel » 13 Millionen Euro
Verzicht auf Analogpräparate » 18 Millionen Euro
Substitutionsreserve bei Generika » 9 Millionen Euro

Insgesamt könnten bei der GEK rund 40 Mio. Euro oder knapp 13% der Arzneimittelausgaben des Jahres 2004 eingespart werden, wenn die bestehenden Anforderungen an eine rationale und effi ziente Arzneimitteltherapie umgesetzt würden. Bis dahin ist es aber offensichtlich noch ein langer Weg. Das Ziel ist es aber wert, mit den adäquaten Instrumenten wie Pharmkotherapiezirkeln, herstellerunabhängiger Fort bildung und der arztbezogenen Analyse der Arzneimittelversorgung sowie einer kompetenten Beratung ausgestattet, diesen Weg zu gehen. Der Erfolg wird sich nur durch solche Aktivitäten einstellen.