1 Einleitung2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten 3.1 Hormontherapie in und nach den Wechseljahren Welche
Entwicklungen lassen sich derzeit ausmachen? 3.2 Indikationsbereich Diabetes mellitus 3.3 Erste Auswertungen des GEK-Disease Management
Programms "Besser leben" für Typ-2-Diabetiker 3.4 Benzodiazepine: Verordnungstrend erkennbar 3.5 Demenz Probleme einer alternden Bevölkerung 3.5.1 Krankheitsprävalenz 3.5.2 Behandlung der Demenz 3.5.3 Ergebnisse der Auswertung von Krankenkassendaten zur
Demenzbehandlung 3.6 Neuroleptika 3.7 Begleitmedikation bei ADHS
Krankheitsprävalenz
Die Angaben über die Gesamtanzahl an Demenzkranken in Deutsch land
zeigen starke Unterschiede. Es fehlen zudem Daten über die Anzahl
der jährlichen Neuerkrankungen. Schätzungen (Bickel, 1999) geben
an, dass 55 % aller Dementen unter einer Alzheimer-Demenz leiden,
die vaskulären Demenzen haben einen Anteil von 20 - 40 % (Knecht
& Berger, 2004). Jäncke (2004) schätzt dagegen einen höheren Anteil
an Alzheimer-Patienten; auf vaskuläre Demenzen und alkohol bedingte
Formen entfallen nach seiner Ansicht ein Anteil von jeweils ca. 10 %,
gefolgt von den Depressionen begleitenden Demenzen (ca. 8 %). Das
Zahlenbild ist aber insgesamt uneinheitlich. Einer der Gründe: Die Demenz
ist mit mehreren pathophysiologischen Veränderungen verbunden, die
nicht immer frühzeitig als Demenz erkannt werden.
Die Demenzerkrankungen, allen voran die Alzheimer Demenz, spielen ab
dem 60. Lebensjahr eine ständig steigende und altersabhängige Rolle.
Sie gehören damit zu den wenigen Erkrankungen, deren Prä valenz
sich linear mit dem steigenden Alter erhöht und deren Progre dienz nur
bedingt beeinfl usst werden kann (siehe hierzu auch Glaeske et al., 1999).
Betrachtet man dies unter dem relativ und absolut steigen den Anteil
der älteren Menschen in unserer Bevölkerung - heute leben 82,5 Mio.
Menschen in Deutschland, im Jahre 2050 wahrscheinlich nur noch 75
Millionen, allerdings mit einer gestiegenen Lebenserwartung bei Frauen
im Schnitt auf 87 Jahre, bei Männern auf 82 Jahre -, so wird sich auch die
172
Anzahl der erkrankten Menschen dramatisch erhöhen sowohl relativ wie
absolut. Heute leben etwa 1,2 Millionen Demenzkranke in Deutschland,
2/3 leiden davon an der Alzheimerschen Demenz, in 50 Jahren, so
die Schätzungen, wird sich diese Anzahl verdoppelt haben, wenn bis
dahin keine nachhaltigen Schritte in Richtung besserer Prä vention und
Therapie möglich werden. Bei den über 90jährigen wird nach neueren
neuropathologischen Befunden von einer Prävalenzrate von 33 - 35%
ausgegangen.
| Alter von ... bis ... Jahren |
|
|
|
|
|
|
|
65- 69 |
70- 74 |
75- 79 |
80- 84 |
85- 89 |
90+ |
| in % |
1,2 |
2,8 |
6,0 |
13,3 |
23,9 |
34,6 |
Die Demenzerkrankungen, allen voran die Alzheimer Demenz, spielen ab
dem 60. Lebensjahr eine ständig steigende und altersabhängige Rolle.
Sie gehören damit zu den wenigen Erkrankungen, deren Prä valenz
sich linear mit dem steigenden Alter erhöht und deren Progre dienz nur
bedingt beeinfl usst werden kann (siehe hierzu auch Glaeske et al., 1999).
Betrachtet man dies unter dem relativ und absolut steigen den Anteil
der älteren Menschen in unserer Bevölkerung - heute leben 82,5 Mio.
Menschen in Deutschland, im Jahre 2050 wahrscheinlich nur noch 75
Millionen, allerdings mit einer gestiegenen Lebenserwartung bei Frauen
im Schnitt auf 87 Jahre, bei Männern auf 82 Jahre -, so wird sich auch die
172
Anzahl der erkrankten Menschen dramatisch erhöhen sowohl relativ wie
absolut. Heute leben etwa 1,2 Millionen Demenzkranke in Deutschland,
2/3 leiden davon an der Alzheimerschen Demenz, in 50 Jahren, so
die Schätzungen, wird sich diese Anzahl verdoppelt haben, wenn bis
dahin keine nachhaltigen Schritte in Richtung besserer Prä vention und
Therapie möglich werden. Bei den über 90jährigen wird nach neueren
neuropathologischen Befunden von einer Prävalenzrate von 33 - 35%
ausgegangen.
Der gesamte Krankheitsverlauf einer Demenz vom Alzheimer-Typ zieht
sich über ca. sieben bis zehn Jahre von Diagnosestellung bis zum Tode,
wenn man davon ausgeht, dass bereits einige Jahre vor der Diagnosestellung
merkliche Störungen des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit
auf
Das Lebensalter ist der Hauptrisikofaktor für das demenzielle Syndrom,
insbesondere für die Alzheimer-Erkrankung. Ab dem 65. Lebensjahr
verdoppelt sich die Prävalenz nach jeweils fünf Lebensjahren (Jorm et
al., 1987; Neuropathology Group of the Medical Council Cognitive Function
and Aging Study, 2001). Die Ursache hierfür ist ungeklärt. Weiterer
wichtiger Risikofaktor ist das Vorhandensein von Erstgradangehörigen,
die von einer Demenzerkrankung betroffen sind (Breteler et al., 1992).
Die Beteiligung genetischer Faktoren an der Ätiologie der Alzheimer-
Krankheit ist schon seit vielen Jahren bekannt. Schlieülich muss darauf
hingewiesen werden, dass auch Bluthochdruck die Alzheimer-Demenz
fördern kann. So wurde z.B. darauf hingewiesen, dass unbehandelter
hoher Blutdruck etwa 10 15 Jahre vor Alzheimer-Beginn beobachtet
werden kann, dass eine höhere Anzahl von Plaque und Tangle bei
Hypertonikern als bei Normotonikern beobachtet wird, dass erhöhter
Blutdruck im mittleren Alter das Alzheimer-Risiko erhöht und dass
Hypertonie und Hypercholesterinämie in mittleren Jahren zu Herzinfarkt
und Alzheimer-Demenz korrelieren (Berlit, 2005). Der kontrollierten Blutdruckeinstellung
in allen Lebensphasen kommt daher eine der wichtigsten
173
Bedeutungen zu. Davon sind wir allerdings weit entfernt, wenn in allen
Altersgruppen nur etwa ein Drittel aller Bluthochdruck patientinnen und
patienten ausreichend behandelt werden, wobei "aus reichend" meint,
dass ohne jeden zusätzlichen Risikofaktor der Blut druck auf Werte
<140/90 mmHg eingestellt werden sollte (Wahle, 2005; Schneider et al.,
2001; Hagemeister et al., 2001).
Es gibt eine Reihe anderer Risikofaktoren, deren Bedeutung in einer
Meta-Analyse (Hendrie, 1998) dargestellt wurde. Einige Studien zeigen
bspw., dass eine geringe bzw. kürzere Schulbildung mit einer höheren
Prävalenz der Alzheimer Demenz einhergeht. Die höchste Prävalenz
weisen Menschen auf, die Analphabeten sind bzw. keine Schulbildung
hatten (Callahan et al., 1996). In einer neueren Studie von EURODEM
lieüen sich diese Ergebnisse allerdings lediglich für Frauen nachweisen
(Letenneur et al., 2000). Schwer zu trennen ist der Bildungsgrad auch von
anderen Risikofakto ren wie übermäüigem Alkoholkonsum. Die Wirkung
von Alkohol scheint maügeblich von der konsumierten Menge abzuhängen,
besonders wenn eine genetische Disposition vorliegt. Während
sich bei groüen Mengen das Risiko erhöht, an einer Demenz zu erkranken,
scheinen geringe Mengen eine protektive Wirkung zu haben (Orgogozo
et al., 1997; Anttila et al., 2004). Dem Nikotinkonsum wurde eine Zeit lang
protektiver Charakter zu geschrieben, neuere Studien legen jedoch nahe,
dass es sich dabei auch um einen Risikofaktor handeln könnte (Lopez-
Arrieta et al., 2001).
Neben Risikofaktoren für die Alzheimer Demenz werden in neueren
Studien vermehrt auch Protektoren diskutiert. Ein möglicher Zusammenhang
zwischen verringerter Inzidenz der Alzheimer Demenz wird
bei erhöhter Aufnahme von in Fisch enthaltenen Fettsäuren vermutet
(Barberger-Gateau, 2002; Morris et al., 2003). Regelmäüige leichte
körperliche Bewegung wie schnelles Gehen und Freizeitbeschäfti gungen
wie Lesen, Tanzen oder Musizieren scheinen das Risiko eben falls zu
mindern (Verghese et al., 2003; Abbott, et al., 2004).
Daneben scheinen auch psychosoziale Aktivitäten einen groüen Einfl uss
zu haben. In einer deutschen Studie konnte nachgewiesen werden, dass
das Risiko an Demenz zu erkranken um den Faktor zehn sinkt, wenn
ein ausgeprägtes psychosoziales Netzwerk besteht (Seidler, 2004).
In ande ren Studien konnte die protektive Kraft von sozialen Aktivitäten
und Engagement gezeigt werden (Frabrigoule et al., 1995, Kropiunigg et
al., 1999; Scarmeas et al., 2001). Als Risikofaktoren für eine vaskuläre
Demenz, wie für Gefäüverände rungen insgesamt, gelten Hypertonie,
Nikotinmissbrauch, Dyslipopro teinämie, Diabetes, Adipositas, koronare
Herzerkrankung, Störungen der Koagulation, Gefäüanomalien und
Schlafapnoe (vgl. Wetterling, 1998).