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Arzneimittel-Report 2005 |
Medikamentöse Therapie
Zur medikamentösen Behandlung der Demenzen sind in Deutschland
chemische wie auch pfl anzliche Substanzen zugelassen (Doody et al.,
2001; Hirsch, 2003; Arzneimittelkommission, 2005). Obwohl die therapeutische
Wirksamkeit der Ginkgoextrakte bisher nicht ausreichend
wissenschaftlich belegt werden konnte, sind sie mit über 50% der
Ver ordnungen die führende Präparategruppe bei den Antidementiva
(Schwabe, 2004). Im Gegensatz zu den chemischen Wirkstoffen schafften
sie die Aufnahme in Leitlinien und Therapieempfehlungen bisher nur
selten, sind aber in der Ausnahmeregelung der OTC-Mittel (Over the
Counter-Mittel) enthalten.
Die Verordnung von Cholinesterase-Hemmern und dem in dieser Indikation
relativ neu angebotenen Glutamatmodulator Memantine erreicht
trotz starker Umsatzzuwächse in den letzten Jahren bisher nur 16 % der
verordneten Tagesdosen aller verordneten Antidementiva (Schwabe,
2004). Cholinesterase-Hemmer sind in den meisten Ländern, die eine
Leitlinie zur Behandlung der Demenzen entwickelt haben, auch aufgenommen,
oftmals allerdings nur unter bestimmten Bedingungen (z.B.
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Diagnose durch einen Facharzt) (NICE, 2000 bzw. 2004; Moise et al.,
2004). Einige der derzeit vorliegenden Studienergebnisse weisen zwar
positive Effekte nach, diese waren jedoch im Verhältnis zu den Kosten
eher gering (AD2000 Collaborative Group, 2004). Ein besonderes
Problem bei der Verordnung von Antidementiva ist die begrenzte Wirksamkeit
im Vergleich zu Placebo, die Differenz beträgt durchschnittlich
lediglich 15-20 %. Auch die Vorhersagbarkeit der therapeutischen Wirksamkeit
am einzelnen Patienten ist begrenzt, es fehlen entsprechende
Kriterien (Möller, 2003). Die Beurteilung einer Verbesserung ist in vielen
Fällen schwierig. Ärzte defi nieren Verbesserung in der Regel als Abklingen
der Symptomatik. Bei dieser chronisch progredient verlaufenden
Erkrankung greift diese Defi nition nicht. Andere Kriterien müssen
gefun den werden, wie die Einschätzung durch die pfl egenden Familienangehörigen,
die nicht nur kognitive, sondern auch soziale Fähigkeiten
wie Führbarkeit, Ansprechbarkeit und Tagesfunktionalität (z.B. beim
Toilettengang und anderen Alltagsverrichtungen) beurteilen (vgl. Kurz,
1999). Solange keine aussagekräftigeren Studien zur therapeutischen
Wirksamkeit und zum Nutzen der Antidementiva vorliegen, scheint der
Einwand nicht vollständig unberechtigt, dass die fi nanziellen Mittel für die
Therapie in der sozialen Unterstützung der Patienten und ihrer Betreuer
besser angelegt wären (Singh, 2004). Viele behandelnde Ärzte erachten
die minimalen Verbesserungen, die durch eine Therapie erreicht werden
können, als unverhältnismäüig zu den Kosten der The rapie. Darüber
hinaus werden sie durch Diskussionen verunsichert, die die Evidenz der
Therapie anzweifeln (vgl. AD2000 Collaborative Group, 2004).
Die direkten Kosten für die Demenz werden derzeit auf rund 20 Mrd. Euro
geschätzt, sie sind natürlich unterschiedlich je nach Schweregrad, z.B.
gekennzeichnet durch den Mini-Mental-Status-Examination (MMSE)-
Score. Im "Vierten Altenbericht der Bundesregierung" wird Hallauer zitiert
(Hallauer, 2002), der die durchschnittlichen Gesamt kosten für einen
Patienten mit Alzheimer-Demenz von 43.767 Euro pro Jahr ermittelt
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hat. Diese Kosten steigen auf 92.000 Euro im Jahr bei fortschreitender
Alzheimer-Demenz. Lediglich 3% dieser Ausgaben entfallen auf die
Krankenkassen, dagegen 30% auf die Pfl egever sicherung, z.B. 23.000
Euro pro Jahr bei einer schweren Demenz. Den gröüten Anteil müssen
mit 67% die Angehörigen übernehmen, die mit ihrer Betreuungsarbeit, mit
ihrer privaten Pfl ege und mit zusätzlich auf gebrachten fi nanziellen Mitteln
die Versorgung von Patientinnen und Patienten absichern (Hallauer,
2002). Kann es da erstaunen, dass die Demenzkranken keine wirkliche
Lobby haben und auch für die Politik keine relevante Klientel darstellen, da
es sich zum Groüteil um nicht mehr handlungsfähige und am öffentlichen
Leben teilnehmende Menschen handelt?
Nicht-medikamentöse Therapie
Die nicht-medikamentöse Therapie verfolgt verschiedene Ziele. Die
kognitive Aktivierung, das Gedächtnistraining und die Realitäts orientierung
sollen dem Patienten helfen, seine Alltagskompetenz mög lichst lange
zu erhalten. Die Erinnerungstherapie und die Selbst-Erhaltungstherapie
wenden sich an das Selbstwertgefühl des Patienten und versuchen,
ihn in seiner Identität zu stärken (Romero&Eder, 1992). Die nichtmedikamentösen
Therapieansätze umfassen also nicht nur die Behandlung
der Erkrankung im engeren Sinne, sondern dienen auch der Annäherung
an die nachlassende Leistungsfähigkeit und ihre Konse quenzen. Es gibt
Maünahmen, bei denen neben dem Patienten die Angehörigen bzw.
Pfl egenden an den therapeutischen Maünahmen teilnehmen, u.a. um die
Umgangsregeln neu zu bestimmen. Die Angehörigen müssen lernen, den
Abbau des Gedächtnisses als Symptom zu betrachten. Eine kritische oder
feindliche Haltung des Kranken ist aus seiner Erkrankung zu erklären. Im
Umgang mit Dementen ist Kontinuität besonders wichtig, prägnante kurze
Anwei sungen, geduldiges Wiederholung von Informationen, überhören
von Anschuldigungen, Beständigkeit im Tagesablauf und Vermeidung
jeglicher überforderung helfen bei der Stabilisierung des Kranken.