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Arzneimittel-Report 2005 |
Frank Meyer
Unter Mitarbeit von Katrin Janhsen und Gerd Glaeske
Neuroleptika (Antipsychotika) werden zur Behandlung psychischer
Erkrankungen wie Schizophrenien, Manien, Verhaltensstörungen (z.B.
Aggressivität) und Dämpfung von Agitiertheit bei psychotischen Zuständen
eingesetzt. Darüber hinaus scheint in Deutschland die fragwürdige
Anwendung als Beruhigungs- und Schlafmittel verbreitet zu sein (Glaeske,
1989; Linden&Gothe, 1993; Linden&Thiels, 2001).
Neuroleptika zeigen zwar prinzipiell ein ähnliches Wirkprofi l, nämlich die
Abschwächung der sog. Plus-Symptomatik einer Psychose (Wahnvorstellungen,
Agitation, innere Unruhe, Gefühlsstörungen), jedoch handelt
es sich pharmakologisch keineswegs um eine homogene Gruppe. Die
Einführung des Chlorpromazin (in Propaphenin) in den fünfziger Jahren
revolutionierte die Psychiatrie. Die damals neuartige Pharmakotherapie
mit Neuroleptika ermöglichte vielen Patienten die Entlassung aus der
stationären Versorgung. Auch die nachfolgenden Wirkstoffe wie Risperidon,
Olanzapin u.a. gelten als Beispiele für Erfolg und Innovation der
modernen Pharmakotherapie und Arzneistoffentwicklung. Die Neuroleptikatherapie
ist jedoch nicht unproblematisch: Eine gefürchtete
Nebenwirkung sind motorische Störungen, sog. Dyskinesien. Dys kinesien
können entweder als parkinsonähnliche Symptome frühzeitig nach Beginn
der Therapie (Frühdyskinesien) oder erst nach Monaten bzw. Jahren
der Dauertherapie (Spätdyskinesien) auftreten. Spätdys kinesien sind
unkontrollierte, wiederholte Bewegungen (z.B. Mund zucken) und können
irreversibel sein. Früh- und Spätdyskinesien stigmatisieren Patienten auf
unerträgliche Weise. Im Folgenden soll der praktische Umgang mit den
Neuroleptika in der ambulanten Versorgung untersucht werden. Es wird
die Evidenz aus klinischen Studien zusam mengefasst und der realen
Versorgungssituation der GEK-Versicherten gegenübergestellt.