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Arzneimittel-Report 2005 |
Die Frage einer medikamentösen Behandlung ist eine der umstrittensten
Fragen in der Diskussion um ADHS (Caspers-Merk 2002). Die medikamentöse
Therapie mildert die Symptome für die Zeit der Einnahme,
ursächlich ändert sich nichts. Einige Experten gehen davon aus, dass
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circa 30-60% der Betroffenen auch im Erwachsenenalter verhaltensauffällig
bleiben und sogar rund 80% lebenslang mit Restsymptomen leben
müssen (Overmeyer&Ebert 1999). Die Entscheidung über die Notwendigkeit
einer medikamentösen Behandlung von ADHS kann nur durch den
behandelnden Arzt im Einzelfall getroffen werden, nachdem die Diagnose
sorgfältig gestellt wurde (Döpfner et al. 2000). Nur wenn die Diagnose
ADHS gesichert ist, sollten Medikamente gegeben werden. Am häufi gsten
wird der Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt, enthalten in den Präparaten
Ritalin, Medikinet, Concerta oder Equasym. Präparate mit dem Wirkstoff
Methylphenidat aus der Arzneistoffgruppe der Amphetamine unterliegen
dem Betäubungsmittelgesetz, das heiüt, dass an die Verordnung dieser
Medikamente auf einem speziellen Rezept. bestimmte Anforderungen im
Hinblick auf die Dauer, Menge und Dosierung gestellt werden.
Methylphenidat wird als sicheres, wirksames und gut verträgliches
Arzneimittel beschrieben (Goldmann et al.1998, ADHD Consensus
Statement 2000). Das Erscheinen von Behandlungsleitlinien - z.B. awmf
Leitlinien sowie die anhaltende Diskussion in der –ffentlichkeit über
das Krankheitsbild ADHS hat vermutlich zu einem Anstieg der Verordnungen
beigetragen. Dies zeigt sich in den Daten des GKV-Arzneimittelreports
(Schwabe/Paffrath) insbesondere seit Mitte der 90iger Jahre. Die
Frage ist, ob der Verordnungsanstieg Ausdruck der Umsetzung vorhandener
Leitlinien ist oder ob hier eventuell eine Medikalisierung psychosozialer
Probleme stattfi ndet. Es ist problematisch, wenn Kinder schon
früh die Erfahrung machen müssen, dass man mit "Pillen" Probleme
zu lösen versucht. Fördert diese Erfahrung nicht möglicherweise einen
unkritischen Umgang mit Arzneimitteln im Erwachsenenalter? Obwohl
Methylphenidat schon seit 1954 im Handel ist, fehlen Untersuchungen
zur Langzeitbehandlung ebenso wie auch zum Einsatz bei Kindern unter
sechs Jahren (Bundesdrucksache 2002, arznei-telegramm 2000: 79).