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Arzneimittel-Report 2005 |
Die Kombination eines Methylphenidat - Präparates mit einem
Antiepileptikum oder Psycholeptikum erfordert eine besonders sorgfältige
Beobachtung des Patienten. Zwar kann eine solche Kombination
im individuellen Fall sinnvoll sein, vor einer Kombination mehrerer
Präparate muss aber die ADHS Diagnose sorgfältig überprüft werden.
Das ist besonders deswegen von Bedeutung, wenn - wie bei der Kombination
der hier besprochenen Präparategruppen: Psychostimulantien,
Psycholeptika, Antiepileptika Wechselwirkungen zu erwarten sind. Der
Wirkungsmechanismus von Methylphenidat müsste besser geklärt sein,
weil erst dann darüber geurteilt werden kann, ob eine Kombination mit
anderen Arzneimitteln vertretbar ist. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen,
dass Kinder und Jugendliche mit Methylphenidat - Verord nungen deutlich
häufi ger zusätzlich Medikamente aus der Gruppe der Antiepileptika und
Psycholeptika verordnet bekommen als Kinder und Jugendliche der gleichen
Altersgruppen ohne Psychostimulantien verordnung. Daraus ergeben sich
u. a. folgende Fragen: Werden die Verordnungen von Psycholeptika und
Antiepileptika notwendig wegen der Behandlung mit Methylphenidat,
werden damit auftretende Neben wirkungen behandelt? Oder sind die mit
Methylphenidat behandelten Kinder und Jugendlichen kränker als andere
ihres Alters? Ist die Diag nose, die zum Einsatz von Methylphenidat führt,
richtig gestellt? Es gibt weder Langzeituntersuchungen zur Behandlung
mit Methylphenidat, obwohl dieser Wirkstoff seit über 50 Jahren eingesetzt
wird, noch ist geklärt, welchen Einfl uss die Kombination unterschiedlicher
zentral wirkender Arzneistoffe auf die weitere Entwicklung der Kinder
und Jugendlichen ausübt. Bei der Untersuchung von Kindern und
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Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten ist eine differentialdiagnostische
Abklärung der Ursachen von groüer Wichtigkeit. Ebenfalls wichtig
ist die Einbeziehung der Eltern, Lehrer und anderer Bezugspersonen in
die Therapie. Auch sie müssen über das Krankheitsbild ADHS informiert
sein, damit sie den betroffenen Kindern und Jugendlichen die notwen dige
Unterstützung zuteil kommen lassen können. Dazu gehört auch, dass sie
ihr eigenes Verhalten gegenüber den Betroffenen refl ektieren können,
um es unter Umständen zu modifi zieren. Es mag einfach und verlockend
erscheinen, Probleme mit "Pillen" scheinbar lösen zu können. Für die
Kinder und Jugendlichen ist das ein falsches Signal. Sie gehen mit der
Erfahrung "für jedes Problem gibt es eine Pille" in ihr weiteres Leben.
Methylphenidat lindert die Symptome von ADHS, ursächlich ändert sich
nichts, das Problem wird verlagert. Zunehmend wird über ADHS im
Erwachsenenalter berichtet und es wird gefordert, dass Methylphenidat
- Präparate auch bei Erwachsenen mit der Diagnose ADHS zu Lasten
der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen.
Das kann nicht die Lösung sein. Vielmehr sollte das multimodale
Behandlungskonzept, das neben der Einbeziehung von Eltern, Lehrern
und anderen Bezugspersonen psychotherapeutische und psychosoziale
Behandlung vorsieht, bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen
mit ADHS zum Tragen kommen. Zu Beginn einer solchen Therapie kann
allerdings eine kurzfristige medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat
hilfreich sein.